Endlich läuft die Africa Twin wieder! In den letzten zwei Jahren bin ich zwei mal auf dem Weg nach Hause von Spanien liegen geblieben. Zuletzt weil der Motor bei hohen Drehzahlen, Hitze und hohen Temperaturen keinen Sprit bekam.
Die Honda XRV 750 RD07 ist abgesehen von einer Schwachstelle vermutlich das vollkommene Motorrad: die Benzinpumpe. Glücklicherweise hat der Vorbesitzer (und lieber Freund) schon vor 13 Jahren daran gedacht, dem damals 20 Jahre alten Motorrad vorsorglich ein neues Herz zu verpassen. Der Clou: Anstelle der anfälligen Elektronik aus den Neunzigern, funktioniert die neue Pumpe komplett ohne Strom. Durch einen Schlauch aus dem Ansaugstutzen (oder einem anderen Motorteil) wird Druck/ Unterdruck in der Pumpe aufgebaut. Der Unterdruck bewegt eine Membran, die wiederum das Benzin pumpt. Bei 40 °C und hohen Drehzahlen hat das 13 Jahre alte Gummi der Membran dann letztes Jahr aufgegeben.
Da ich aber weiterhin bei Hitze fahren will, musste also eine Lösung her: eine elektrische Facet Benzinpumpe.

Was gibt es besseres als bei über 30 °C in der Tiefgarage an einem Motorrad zu schrauben? Nichts! Jedenfalls solange man nicht auf Probleme stößt.
Pumpe anschließen, kurzer elektrischer Test, alles schön verkabeln und isolieren, (fast) alles wieder zusammenbauen und dann der große Moment – läuft der Motor? Ja, aber nur ein paar Sekunden bis die Schwimmkammern des Vergasers keinen Sprit mehr haben.
Was ist passiert? Das Motorrad ist schon alt, bestimmt ist irgendwo etwas mit der Zeit kaputt gegangen. Warum wurde überhaupt damals eine neue Pumpe eingebaut? Gab es vielleicht ein Problem mit der Elektrik?
Als Entwickler kennt man das: Erst mal ein grober Blick auf das ganze System; fällt einem direkt etwas ins Auge? Wenn nicht, ran an die Einzelteile. Stück für Stück alle Bestandteile untersuchen – debuggen! In einer Welt, in der ich mich auskenne, kein Problem. Hier? Imposter Syndrom ist vielleicht nicht die korrekte Bezeichnung, beschreibt aber das gleiche Gefühl. Zweifel. Sind meine Grundannahmen überhaupt korrekt? Misst mein Multimeter überhaupt richtig? Braucht ein Motor wirklich nur Luft, Benzin und einen Funken oder habe ich mir das zu einfach vorgestellt?
Eine Art im Alter zu lernen ist es, sich in genau diese Zweifel-Situationen zu begeben. Ein gutes Training um den Status Quo, seine eigenen Fähigkeiten und allgemeine Gegebenheiten zu hinterfragen. Wie Langeweile Kinder zwingt kreativ zu werden, kreativ zu denken und komplett neue Dinge an sich und der Welt zu entdecken, so ist das „Scheitern“ häufig ein Weg für Erwachsene um neue Muster und Lösungen anzuwenden.
Am Ende war es eine offene Luftfilter-Abdeckung. Hätte ich das Motorrad komplett zusammengebaut und nicht auf halbem Weg ein perfektes Ergebnis erwartet, hätte alles funktioniert.
Und jetzt? Jetzt verstehe ich den Kabelbaum meines Motorrads (besser), verstehe besser wie ein Motor wirklich funktioniert, weiß was ein Multimeter macht und habe mal wieder gelernt, dass der gute alte Bug-Teddy (shout-out Nummer 1, Marc Görtz), der beste Weg ist, ein Problem zu verstehen.
Wäre doch schön wenn man ohne Herausforderungen einfach neue Dinge lernen könnte; wie in der Matrix „Hubschrauber Pilot sein“ runterladen können. Natürlich könnte ich Bücher lesen und YouTube Videos gucken. Am Ende aber etwas Anwenden zu können, das Ergebnis zu sehen, fühlen, schmecken, was auch immer, ist für mich die beste Belohnung.
Ein Gruß an dieser Stelle an Marc Görtz (shout-out Nummer 2), der mich in einer vernebelten Dienstag-Nacht dazu gedrängt hat, doch auch einen Blog zu schreiben. Also hier ist er!